Kollision in der Metro

von Marcus Hofmann

Heute bin ich das erste mal in der Metro in Moskau mit jemandem aneinandergeraten. Ich habe ja schon erwähnt, dass es dort recht ruppig zugeht. Heute aber hat ein Herr mittleren Alters den Vogel abgeschossen: Mit ausgebreiteten Ellenbogen entgegen der Flußrichtung des Menschenstromes kämpfte er sich rücksichtslos brutal geradeaus, mittendurch. Das ist auch für andere Russen zu viel, und sie haben sich beschwert. Als ich dann den Ellenbogen des Herrn schwungvoll in die Rippen bekam, hat es mir gereicht, und er bekam meinen Ellenbogen, ebenfalls schwungvoll, ebenfalls in die Rippen.

Er blieb stehen, drehte sich um, funkelte mich an und begann, mich zu beschimpfen. Ich hatte keine Lust mehr, höflich zu sein, und habe zurückgeschimpft. Auf Bayerisch, das rollt einfach runder von der Zunge.

Der Herr war so verdutzt, dass es ihm die Sprache verschlagen hat. Also habe ich ihn angelächelt, ihm auf die Schulter geklopft, das Revers seines Jackets glattgestrichen, ihm zum Abschied empfohlen, sich künftig besser zu benehmen (”Pfiati”) und bin gegangen.

Als ich etwa zehn Meter weit gekommen war, hatte er seine Fassung zurückgewonnen und hat mir hinterhergeschimpft. Ich habe nicht viel verstanden, nur “Amerikanski” und ein unübersetzbares russisches Schimpfwort.

Da habe ich der Völkerverständigung zwischen Russen und Amerikanern heute wohl einen Dämpfer verpasst…