Metro-Stress
von Marcus Hofmann
Heute bin ich seit längerer Zeit mal wieder in der Rushhour mit der Metro gefahren. Jetzt weiß ich wieder, warum ich das sonst nicht mache und deshalb nie vor zehn Uhr im Büro bin.
An diesem wunderschönen Montag hatte ich auf dem längsten Streckenabschnitt gediegen vollflächig Bauch-an-Rücken Körperkontakt mit einem Kollegen, der sich seit mindestens zwei Wochen nicht gewaschen und außerdem sicher mindestens zwei Promille Restalkohol hatte. Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn in seinen Nackenhaaren Läuse herumgekrabbelt wären. Zum Glück waren dort aber keine.
Abgesehen davon war es nur das normale Abenteuer (”Einer geht noch rein…”). Beim Umsteigen muss man sich einfach von der Masse treiben lassen. Eine andere Chance hat man sowieso nicht. Jedenfalls nicht als Europäer, denn eins können die Russen richtig gut - Drängeln. Es gibt vier Disziplinen: Offensiv und defensiv, jeweils mit und ohne Ellenbogen. Ich drängele immer defensiv-ohne. Es sei denn, jemand kommt mir anders, dann drängele ich offensiv-mit. Zwischenstufen spare ich mir, entweder-oder.
Passt eigentlich nicht zu mir, es geht aber leider nicht anders. Man hat sonst echt keine Chance:

Kommentare
Super, so lernt man wenigstens, sich in der Ellenbogengesellschaft durchzuboxen. Kostenloses Praxistraining!
Es soll auch Psychotherapeuten geben, die in der U-Bahn alle möglichen Angstzustände therapieren. Moskau ist dann für die große Abschlussprüfung ideal… :-)
Entsetzlich! Täglich …“Metro-Stress”!(((wozu das?