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Petition gegen Internetsperren

Seit gestern läuft eine Petition zum Deutschen Bundestag gegen die Sperrung von Internetseiten. Schon in den ersten 24 Stunden hat sie Fahrt aufgenommen und über 10.000 Unterzeichner gewonnen. Damit erscheint das Ziel von 50.000 Mitunterzeichnern bis zum 16. Juni 2009, die erforderlich sind, damit die Petition im Petitionsausschuss beraten wird, erreichbar.

Registrierung und Unterzeichnung dauern nur ein paar Minuten. Fünf Minuten für ein unzensiertes Internet sollte jeder aufbringen können. Es gibt keine Ausreden. Also auf:

Petition: “Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten”

Weitersagen.

Update, 5. Mai 2009, 17:13: Die Petition steht jetzt bei knapp 22.000 Mitzeichnern.

Auf dem Hauptbahnhof in Antwerpen

Heute kam über Twitter der Link zu diesem tollen Video, das ich keinem vorenthalten möchte:

Unzensiertes Internet

Wer keine Lust auf ein zensiertes Internet hat, der benutzt einfach freie Domain Name Server (DNS). Solche, die nicht zensieren und es auch nicht müssen — weil für sie Ausnahmeregelungen gelten oder weil sie nicht Gegenstand deutscher Zensurgesetzgebung sind (sprich: im Ausland stehen). Einige, die ich seit ein paar Tagen benutze und die recht zuverlässig funktionieren, sind:

Listen mit weiteren freien und unzensierten DNS gibt es zum Beispiel beim Chaos Computer Club und bei der German Privacy Foundation, dort sogar mit Konfigurationsanleitung für Windows und Linux. Und eine schöne Video-Anleitung gibt es bei YouTube.

Eine regelmäßig aktualisierte Seite mit Links, die Hintergrundinformationen vermitteln, gibt es beim Hugelgupf. Welche Provider zensieren, steht auf providerzensur.de.

Update: Eine schöne und ausführliche Sammlung von Beiträgen zu dem Thema gibt es bei Jens Ferner im Datenschutz-Blog.

Alte Beiträge importiert

Einen großen Teil des Nachmittages habe ich heute damit verbracht, alte Blogbeiträge aus kaputten SQL-Dumps von Hand zu importieren. Dabei habe ich mich im wesentlichen auf das Thema “Klettern und Berge” beschränkt. Die alten Beiträge finden sich nun im Archiv. Wenn ich das nächste mal keine Lust auf sinnvollere Dinge habe, gibt es den nächsten Schwung. Viel Spaß. :-)

Gebt mir einfach einen Feed

Heute möchte ich über etwas schreiben, das mich schon länger umtreibt: Das Angebot von alternativen Feeds.

Über Twitter kam heute der Link zu einer Sammlung von IP-Blogs (danke dafür). Die sah interessant aus, also wollte ich die Blogs alle in den Feedreader packen, um sie eine Weile zu beobachten. Leider gab es kein OPML-File mit den Feeds, das man einfach hätte herunterladen und importieren können (jetzt gibt es eins). Darum habe ich jedes Blog der Liste jeweils in einem neuen Browser-Tab geöffnet. Safari zeigt in der URL-Zeile dann dieses hübsche blaue RSS-Icon an, das man einfach anklicken kann, und schon landet der Feed im Default-Feedreader. Jedenfalls meistens, nämlich wenn das Blog dies unterstützt. Zum Glück unterstützen es fast alle.

Dabei bin ich etliche male über eine Unsitte gestolpert, die mir schon vor langem aufgefallen ist. Eine Unmenge von Blogs bietet nämlich verschiedene Feeds zur Auswahl an. Nicht etwa Feeds mit unterschiedlichem Inhalt, wie “Nur Zusammenfassungen”, “Vollständige Posts” oder “Kommentare”, nein, sie bieten unterschiedliche Technologien an. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Mehrfach-Feedauswahl

Das Problem dabei ist, dass ich überhaupt keine Informationen bekomme, aufgrund derer ich eine Auswahl treffen könnte. Ich muss also blind wählen. Sind die Feeds inhaltlich identisch? Wahrscheinlich, sonst würden sie wohl nicht derart gleichförmig präsentiert werden. Validieren sie alle? Hoffentlich, denn darum sollte sich jeder Blogbetreiber nun wirklich kümmern.

Wenn sie aber inhaltlich identisch sind, und wenn sie alle validieren, wenn sie also alle gleich funktionieren, warum muss ich mich dann entscheiden?! Gebt mir doch einfach EINEN FEED!

Deutsch lernen für Ausländer

In Deutschland sind wir bemüht, Ausländer zu integrieren. Dazu gehört, dass wir ihnen die deutsche Sprache vermitteln. Unter anderem gibt es eine Zeitschrift, die Ausländern, die Deutsch lernen, gleichzeitig Land und Sprache näherbringen will: “Deutsch Perfekt”.

Da heisst es in einer Geschichte, in der ein fiktiver Deutscher von seinem Alltag berichtet (Ausgabe 02/2007):

“Ich bin wie die meisten Deutschen: Teil einer trägen Menge, die immer fauler wird. Sie sitzt sich den Hintern im Auto und am Schreibtisch breit — oder sie liegt sich den Hintern in der Sauna breit, wie ich. Die Deutschen gehören inzwischen zu den Dicksten auf dem europäischen Kontinent, sagen Experten. Fast die Hälfte aller Frauen ist übergewichtig, und zwei von drei Männern haben zu dicke Bäuche. Manche Kinder sind schon so unsportlich, dass sie nicht mehr rückwärts gehen können, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren. Auf dem Schulhof stehen sie in der Ecke und essen drei Nutella-Brötchen, statt hinter dem Fußball herzulaufen.”

In einer anderen Ausgabe wird anschaulich beschrieben, wie die meisten Deutschen ihr Auto mehr lieben als ihre Frau. Den Beitrag über Fußball als Volkssport kenne ich nicht (und ich will auch gar nicht wissen, was da so zusammengeschreibselt wird).

Jetzt weiss ich wenigstens, wo das Deutschlandbild herkommt, in das man im Ausland immer wieder hineinrennt…

Strafanzeige gegen das LG Karlsruhe

Nach der Entscheidung des Landgerichts Karlsruhe in Rahmen der Beschwerde über die Durchsuchung bei Wikileaks (Hintergrund hier, hier und hier), wonach angeblich “jeder einzelne Link im Sinne der conditio-sine-qua-non-Formel kausal für die Verbreitung krimineller Inhalte [ist], auch wenn diese erst über eine Kette von Links anderer Anbieter erreichbar sind”, hat sich jemand die Mühe gemacht, von der Website des LG Karlsruhe eine Link-Kette zu Wikileaks zu konstruieren und dann Strafanzeige gegen das LG Karlsruhe wegen Verbreitung kinderpornographischer Schriften zu erstatten.

Interessant ist, dass die Link-Kette über die Bundesrechtsanwaltskammer läuft. Auf die verweist jeder Anwalt in dem ordnungsgemäßen Impressum seiner Website. Auch die meisten Gerichte verweisen zumindest auf die regionalen Anwaltskammern, die wiederum regelmäßig auf die BRAK verweisen. Damit lässt sich diese Strafanzeige auf praktisch alle deutschen juristischen Websites ausdehnen, was die Absurdität der Entscheidung unterstreicht.

Auch das Bayerische Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz verweist unter der URL http://www.justiz.bayern.de/buergerservice/links/ mittelbar auf die Bundesrechtsanwaltskammer und damit auf Wikileaks.

Wer schreibt die Strafanzeige? :-)

Der ganz normale Behördenwahnsinn

Die Mandantin ist Deutsche. Sie hat ihren ständigen (einzigen) Wohnsitz in Moskau. Eines Tages vergisst sie ihren Reisepass in der Hosentasche, und er wandert mit in die Waschmaschine. Also beantragt sie bei der Deutschen Botschaft einen neuen Pass.

Die Deutsche Botschaft beschäftigt fähige Mitarbeiter in der Konsularabteilung. Frau H. ist so eine fähige Mitarbeiterin. Sie stellt fest, dass die Mandantin vor rund 40 Jahren adoptiert wurde. Dabei wurde — Prinzip der Volladoption — ihr Geburtsname (Mädchenname) geändert. Seither trägt sie als Geburtsnamen den Namen ihres Adoptivvaters.

Das ist nach Auffassung von Frau H. falsch. Die Mandantin muss einen anderen Geburtsnamen tragen.

Frau H. liest das EGBGB und findet eine Norm, die zu passen scheint. Dass sie dabei elementare Grundsätze der Lehre von der Gesetzeskonkurrenz verkennt, bemerkt sie nicht. Sie wendet die nicht einschlägige Norm an, leider auch noch falsch. Deshalb kommt sie zu dem Schluss, dass sich die Frage, welchen Geburtsnamen die Mandantin heute trägt, nach dem Recht der ehemaligen DDR richtet. Sie liest in einem alten Kommentar zum Familiengesetzbuch der DDR nach und versteht eine Fundstelle nicht richtig.

Ohne Rücksprache mit der Mandantin ändert sie den Passantrag und reicht den geänderten Antrag an die Bundesdruckerei weiter. Danach wird die Mandantin davon in Kenntnis gesetzt, dass sie einen neuen Namen verpasst bekommt. Einfach so.

Mal ganz abgesehen davon, dass die Rechtsauffassung von Frau H. blühender Unsinn ist, und dass die Mandantin massive Probleme bekommt, wenn sie mit einem neuen Pass, in dem sie plötzlich anders heisst, von den russischen Behörden neue Ausfertigungen ihres Visums, ihrer Aufenthaltsgenehmigung und ihrer Registrierung möchte, ist dieses Vorgehen ein Musterbeispiel dafür, wie gedankenlose und überhebliche Beamte einen Bürger zum bloßen Objekt staatlichen Handelns machen. Der Mensch, der dahintersteht, wird geflissentlich ignoriert; er ist nur noch eine Akte, ein Vorgang, eine Nummer.

Diese Verobjektivierung ist die Mutter aller Verletzungen der Menschenwürde; ein lehrbuchartiger Verstoß gegen Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz.

Die Mandantin ist verzweifelt. Ich rufe in der Botschaft an, lasse mir Frau H. geben. Sie ist uneinsichtig. Nach einiger Diskussion erkenne ich an, dass sie ihre Rechtsauffassung nicht ändern wird. Ich stelle eine Klage in Aussicht. Sie ist empört.

Ein Klage dauert lange. Eine Klage bedeutet Stress. Beides kann die Mandantin gar nicht gebrauchen. Sie braucht einen neuen Pass, der auf ihren korrekten Namen lautet. Und zwar umgehend.

Ein Anruf bei Herrn R., Leiter der Rechtsabteilung der Deutschen Botschaft in Moskau. Er hat keine Zeit für mich (”spricht gerade”). Ich erläutere seiner Sekretärin das Problem und bitte um baldigen Rückruf. Es ist Freitag Mittag.

Zwei Stunden später ist ein Rückruf noch nicht erfolgt. Ich rufe erneut an und weise darauf hin, dass ich der Mandantin noch vor dem Wochenende mitteilen möchte, ob Aussicht auf Einigung besteht, oder ob wir uns alle in Berlin beim Verwaltungsgericht kennenlernen. Das wäre doch komisch, wo wir ja alle in Moskau wohnen.

Nach einer halben Stunde klingelt das Telefon. Der Herr hat jetzt Zeit für mich. Ob er wisse, worum es geht, frage ich. Er verneint. Noch während ich ihm erkläre, worum es geht, erreicht mich eine Email der Mandantin. Die Konsularabteilung hat ihr mitgeteilt, dass man ihr nun einen vorläufigen Pass auf ihren richtigen Namen ausgestellt hat, den sie sofort abholen kann. Außerdem ist ein neuer Reisepass auf ihren richtigen Namen im Expressverfahren bei der Bundesdruckerei beantragt worden.

Kein entschuldigendes Wort. Keine Namensunterschrift. Kein zuständiger Sachbearbeiter: Eine anonyme Mitteilung einer deutschen Behörde. Das gibt es auch nicht jeden Tag. Herr R. verspricht, sich schlau zu machen und sich am Montag zu melden.

Die Mandantin hat inzwischen ihren Pass. So, wie er ursprünglich beantragt war. Von Herrn R. habe ich nie wieder gehört.

Liebe Botschaft: Das ist alles schön und gut. Eine Entschuldigung bei der Mandantin wäre hier allerdings noch angezeigt gewesen. Ich erinnere an Art. 1 Grundgesetz, der auch für deutsche Behörden in Russland gilt. Aber über den Vorfall das Deckmäntelchen des Schweigens zu breiten, ist für die eigene Karriere natürlich viel besser…

Tomatensaft

Neulich im Flieger, AirBerlin von Moskau nach München:

Flugbegleiterin: “Was darf ich ihnen zu trinken anbieten?” Fluggast: “Was haben Sie denn?” Flugbegleiterin: “Alles, was möchten Sie denn?” Fluggast: “Tomatensaft.”

Und ich dachte schon, da kommt jetzt ein kreativer und ausgefallener Getränkewunsch. Als ob irgendeine Passagiermaschine auf dieser Welt ohne einen krisentauglichen Vorrat an Tomatensaft abheben würde.

P.S.: Schonmal versucht, in einer beliebigen, gängigen Bar oder Kneipe in Deutschland Tomatensaft zu bestellen? Genau.

Kollision in der Metro

Heute bin ich das erste mal in der Metro in Moskau mit jemandem aneinandergeraten. Ich habe ja schon erwähnt, dass es dort recht ruppig zugeht. Heute aber hat ein Herr mittleren Alters den Vogel abgeschossen: Mit ausgebreiteten Ellenbogen entgegen der Flußrichtung des Menschenstromes kämpfte er sich rücksichtslos brutal geradeaus, mittendurch. Das ist auch für andere Russen zu viel, und sie haben sich beschwert. Als ich dann den Ellenbogen des Herrn schwungvoll in die Rippen bekam, hat es mir gereicht, und er bekam meinen Ellenbogen, ebenfalls schwungvoll, ebenfalls in die Rippen.

Er blieb stehen, drehte sich um, funkelte mich an und begann, mich zu beschimpfen. Ich hatte keine Lust mehr, höflich zu sein, und habe zurückgeschimpft. Auf Bayerisch, das rollt einfach runder von der Zunge.

Der Herr war so verdutzt, dass es ihm die Sprache verschlagen hat. Also habe ich ihn angelächelt, ihm auf die Schulter geklopft, das Revers seines Jackets glattgestrichen, ihm zum Abschied empfohlen, sich künftig besser zu benehmen (”Pfiati”) und bin gegangen.

Als ich etwa zehn Meter weit gekommen war, hatte er seine Fassung zurückgewonnen und hat mir hinterhergeschimpft. Ich habe nicht viel verstanden, nur “Amerikanski” und ein unübersetzbares russisches Schimpfwort.

Da habe ich der Völkerverständigung zwischen Russen und Amerikanern heute wohl einen Dämpfer verpasst…